Faszination Zeitrafferfotografie

27 Mrz

Zeitraffer oder auch Timelapse genannt, waren mir von der Sache her eigentlich schon immer ein Begriff und gestolpert bin ich eigentlich nur über sie in Zusammenhang mit Werbespots oder Naturdokus. Wirklich näher beachtet oder auf sie eingegangen bin ich eigentlich nie, sie waren einfach ein nettes Stilmittel und einen Bezug zur Fotografie gab es bis vor einiger Zeit eigentlich nicht wirklich für mich. Bis ich auf Gunter Wegners Seite über einige seiner Zeitraffer gestolpert bin. Es war einfach unglaublich faszinieren für mich, den für den Moment des Fotos eigentlich starren Landschaften Bewegung einzuhauchen, eine Szenerie zu erschaffen, die das Menschliche Auge so nicht wahrnehmen kann. Ich begann mich mit der Zeitrafferfotografie zu beschäftigen, mit dem Ziel, soetwas auch zu können und umzusetzen.

Anfang März kam mir der Baubeginn unseres diesjährigen Gartenprojektes, ein offener Kamin auf der Terasse vorm Haus, gelegen, einmal selber zu probieren wie denn das nun mit der Zeitrafferfotografie wirklich genau funktioniert. Ich wollte versuchen den Ablauf des Projekts, den Bau des Kamins, von der Vorbereitung bis zum fertigen Kamin als Zeitraffer festzuhalten. Da das ganze keinen fotografisch künstlerischen Aspekt hergibt, eine recht gute Möglichkeit zu testen und zu probieren.

Ich stellte also die Kamera mit Stativ auf den Terrassentisch, markierte mir für weitere, spätere Aufnahmen im Projektverlauf die Punkte wo ich das Stativ aufzustellen hab, startete den internen Intervalltimer der Kamera und legte los. Als Ergebnis hatte ich nach 2,5 Stunden dann 800 Bilder, die nun nur noch zu einem kurzen Film zusammengesetzt werden mussten. Und nun kam die erste große Frage auf; wie mach ich das jetzt mit einfachen Hausmitteln?
Mir kam natürlich gleich als erstes der Windows MovieMaker in den Sinn, denn der ist ja bereits bei eigentlich jeder Windowsinstallation gratis mit dabei. Doch denkste, irgendwie war das Ding mit 800 Einzelbildern ein wenig überfordert und verweigerte spätestens beim Versuch die Bilder zu einem Film zu rendern seinen Dienst. Dann stolperte ich über Picasa, auch ein gratis Tool, welches sogar Vorlagen für Zeitraffer mitbrachte. Also Bilder reingeladen, Zeitraffervorlage gewählt und kurze Zeit später war das Ergebnis, welches ihr unten sehen könnt, fertig.

Ebenso flott folgte ein Wochenende später das zweite Video, diesmal vom betonieren des Sockels für den Kamin.

Als störend empfand ich allerdings die teilweise auftretenden Helligkeitssprünge. Und da mein nächster Schritt vom mauern des Kaminsockels Bilder von zwei Tagen enthielt hab ich mich nach einer professionellen Lösung umgesehen und mir mal das LRTimelapse näher angesehen. Diese Software ist in der Lage schöne Übergänge zwischen einzelnen zu bearbeitenden Keyframes zu generieren. Nebenbei werden auch alle anderen Bildbearbeitungsschritte sanft auf die zwischen den Keyframes liegenden Bilder übertragen. So ergibt sich ein wesentlich schöneres Video ohne gröbere Helligkeitssprünge und flackern. Aber seht selbst, das nächste Video ist mit LRTimelapse erstellt.

Doch nun mal genug von meinem Kaminbau, es war ein schönes Übungsprojekt. Ich versuchte nun in den nächsten Lernschritten ein wenig tiefer in die Materie einzusteigen und auch Fotografisch schöne Motive als Zeitraffer festzuhalten. Und was würde sich da mehr anbieten als ein stimmungsvoller Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. Für einen Sonnenaufgang bin ich allerdings zugegebenermaßen nie rechtzeitig genug aus dem Bett gekommen, also blieb mir erstmal nur ein Sonnenuntergang. Das habe ich einige Zeit vorher geplant und an verschiedenen Abenden mit kurzen Minisequenzen bereits geübt. Denn es gibt dabei so einiges zu beachten, nicht umsonst nennt man solche Übergänge vom Tag in die Nacht oder umgekehrt auch den Heiligen Gral der Zeitrafferfotografie. Um akkurate Ergebnisse zu erzielen muss man nämlich bei den Aufnahmen zur richtigen Zeit die Belichtung anpassen und irgendwann auch die ISO erhöhen. Doch auch da gibt es inzwischen ein tolles Hilfsmittel, wie man das vollautomatisch umsetzen kann. Mit Hilfe eines Artikels auf gwegner.de und der wirklich tollen App qDslrDashboard von Zoltan Hubai machte ich mich dann letzten Dienstag Abend auf den Weg und fuhr bei uns in die Weinberge zu einem Platz, den ich mir ein paar Tage zuvor bereits ausgesucht hatte und baute mein Equipment auf.

Ich nutzte mein Nikon AF-S DX Nikkor 35mm 1:1,8G Objektiv mit Blende 2.8. Eine 1.8er Offenblende traute ich mich nicht, wäre im Nachhinein aber wohl besser gewesen, denn das fertige Video enthielt später dann doch das berüchtigte Blendenflickern, welches ich aber im dann fertigen Video einigermaßen in den Griff bekommen habe. Als die Kamera in einer guten Position Stand, ich korrekt Fokussiert hatte (danach stellte ich den AF auf manuell), die Belichtung und die Blende korrekt eingestellt waren startete ich das WLAN meiner Nikon D5300. Dann startete ich qDslrDashboard, verband mich mit meiner Kamera und wechselte in den LRTimelapse Modus von qDslrDashboard. Zuvor muss die Kamera allerding in den Modus RAW+JPEG gestellt werden. Die funktionsweise ist eigentlich ganz einfach; es wird nun ein Referenzbild geschossen und anhand des Histogrammes berechnet qDslrDashboard nun einen Reverenzwert. Dann wechselt man in den „Holy Grail“ Modus und startet den Timer für die Kamera. Ich habe den internen Timer von qDslrDashboard verwendet, besser ist aber einen externen Timer zu verwenden, da dann die Kamera auch weiterhin Bilder macht, sollte qDslrDashboard mal abstürzen. Nun wird jedes geschossene Bild (via WLAN) an die App übertragen, wobei hier nur das jpeg übertragen wird und nicht das RAW, daher sollte wie oben schon angedeutet auch die Kamera je ein RAW und jpeg aufnehmen. qDslrDashboard wertet nun von den jeweils drei letzten Bildern das Histogramm aus und erstellt einen Durchschnittswert. Unterschreitet dieser Wert nun den zu Beginn errechneten Referenzwert, regelt qDslrDashboard die Belichtungszeit um 1/3 Belichtungswert rauf und passt so jedesmal die Belichtung den aktuellen Lichtverhältnissen an. Das ganze passiert so lange, bis eine zuvor eingestellte Maximalbelichtungszeit erreicht ist. Ich habe hier, bei einem Zeitrafferintervall von 8 Sekunden, eine maximale Belichtungszeit von 4 Sekunden gewählt. Danach regelt qDslrDashboard dann die ISO hoch, wiederum bis zu einer zuvor eingestellten maximalen Höhe, bei mir waren es ISO 3200.

Nun hieß es warten und sich live den Sonnenuntergang ansehen. Gestartet habe ich um 17:30 und beendet habe ich das ganze dann um 20:00. Ganz wichtig bei solch einer Aktion ist es sich etwas zum Beschäftigen mitzunehmen, sonst wird es nach einer gewissen Zeit des Wartens ziemlich langweilig. Und etwas zu Trinken und Verpflegung schaden auch nicht. Zuhause habe ich dann noch bis spät in die Nacht die Bilder bearbeitet und ein erstes Video erstellt. Am nächsten Tag war ich jedoch nicht wirklich zufrieden mit dem Ergebniss und erstellt ein neues, welches ich für meinen ersten Versuch als gar nicht so schlecht bezeichnen würde. Hier ist das Ergebniss

 

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